Die Geschichte

Wie der Ort entstanden ist

Ein Urwald aus Kakteen, klettenartigen Schlingpflanzen und anderen dichten Gewächsen empfing uns, als wir uns das Gelände zum ersten Mal anschauten und probierten, einen Weg zum kleinen Steinhaus zu finden. 

Die Finca hatte Jahrzehnte lang brach gelegen, der Besitzer war ausgewandert. Im kleinen Steinhaus und in den Höhlen lagen verrostete Ölsardinendosen, leere Flaschen, Schrothülsen; kleine Feuerstellen waren zu erkennen. Hinterlassenschaften der Jäger, die jedes Jahr während drei Monaten Jagd auf Kaninchen und Rebhühner machen. Es bedurfte sehr viel Fantasie sich vorzustellen, dass dies ein zauberhafter und lebenswerter Ort ist. Nach dem ersten Besuch waren wir uns nicht sicher, ob wir wiederkehren werden. Aber irgendetwas lockte uns zurück. Der weite Blick zum Meer, das sanfte Tal, das das Gelände durchzog? Die tiefe Ruhe, die uns umfing? Die lebendige Natur, die trotz der Trockenheit spürbar war? 

Dazu kam der schlichte Umstand, dass der damalige Besitzer alle notwendigen Papiere für einen Verkauf hatte und wir uns nur mit einer Person und nicht mit einer Generationen übergreifenden Erbengemeinschaft einigen mussten. Eine glückliche Fügung… 

Die Finca ging 1998 in unseren Besitz über. Viele Jahre mit viel viel Arbeit folgten…. Unsere Eltern wohnten damals noch in Abades und kamen täglich hoch, um sich behutsam vorzuarbeiten und die kleinen Zeugnisse aus dem früheren Leben und die Strukturen der Landschaft zu entdecken. 

Wir, die Kinder mit unseren Partnern und später eigenen Kindern, verbrachten unsere Urlaube auf der Insel fortan nicht mehr am Strand oder auf Wanderungen, sondern buddelten, bauten, pflanzten auf der Finca und trugen so unseren Teil dazu bei, dass der Ort bewohnbar wurde. Das große Holzhaus kam 2000 dazu. Die Straße wurde asphaltiert, Strom wurde gelegt, Jahre später bekamen wir endlich auch einen Trinkwasseranschluss. Bis dahin nutzen wir das unbehandelte Wasser für die Pflanzen, das über einen oberirdischen Kanal alle zwei Wochen in einem Tank floss. Unsere Eltern hatten Anteile an einem unterirdischen Wasserspeicher erworben. Das alles klingt leichter als es war… jeder Schritt war mit großen administrativen Hürden und Kosten, mit vielen Gesprächen in der Gemeinde verbunden, mit Kontakten, ohne die nichts gelaufen wäre und so weiter… 

Unsere Eltern hatten als Bühnenbildner am Theater gearbeitet und ohne deren Gabe, ungewöhnliche Visionen zu entwickeln und umzusetzen, wäre es nicht möglich gewesen, die Finca so zu gestalten, wie sie heute ist. Nur behutsam wurde in die Landschaft eingegriffen, die gegebenen Strukturen wurden freigelegt und sanft ergänzt, um einen kleinen Komfort und ausreichend Raum für die gesamte Familie zu schaffen. Jedes Mal wenn wir kamen, wurden wir mit etwas Neuem überrascht. Der Hit war das Schwimmbad, das wir erstmal völlig übertrieben fanden (das Meer ist schließlich nur 12 Autominuten weg) aber natürlich ist es letztlich doch wunderbar, hier einen Pool zu haben. Und wie uns der mitbauende Ingenieur kürzlich sagte: er hatte es für unvorstellbar gehalten, auf diesem Gelände ein so großes Schwimmbad zu bauen. Aber es ging, vielleicht auch hier dank der jahrelang geübten Gabe, scheinbar Unmögliches zu realisieren.

Der Höhlenausbau auf der anderen Seite des Tals mit dem großen Glashaus davor, das „Refugio“, das letzte Projekt unserer Eltern: welch ein Glück, kanarische Bauleute zu finden, die mit viel Lust mitgemacht haben und ihre Erfahrungen einfließen ließen. Das „Refugio“ hat eine besondere Geschichte: auf der anderen Seite des Tals sahen wir immer den Eingang in eine große lange Höhle, die unsere Phantasie beflügelte, was dort wohl mal war. Viele Jahre lang war die Höhle ein beliebter Rückzugsort für die kleinen Abenteurer in der Familie. Theaterstücke wurden erdacht und präsentiert. Expeditionen durchgeführt. Bis wir eines Tages staunten: die Höhle war gestrichen, hell, Holzboden verlegt und angebaut war ein riesiger Wintergarten. Ein traumhafter Ort zum Wohnen war entstanden, der die traditionelle Form des Wohnens mit einer hohen lichten Architektur vereint.

Die echte mongolische Jurte: aus der Mongolei zu uns gebracht und aufgebaut, weil für die gewachsene Familie noch mehr Raum benötigt wurde. Bald der Lieblingsplatz von uns. Die runde Form schenkt ein wohliges Wohngefühl. Durch das geöffnete Dach kann man sich nachts in den Sternenhimmel träumen und gemütlich im warmen Bett liegen. Die Glashaube ist in sorgfältiger Handarbeit von einem kanarischen Schreiner gefertigt worden. Sie schützt vor Regen und Feuchtigkeit, durch kleine Luftschlitze erlaubt sie jedoch die permanente Belüftung der Jurte, die angesichts der vielen Stoffschichten sehr wichtig ist.

Und natürlich die alten Höhlen, früher genutzt als Wohnhöhle oder als Stall für die Tiere. Es fühlte sich vom ersten Moment gut an, dort zu schlafen, nachdem wir sie nach und nach bewohnbar gemacht hatten. Ruhig, gemütlich, im Winter warm im Sommer kühl. Eine geniale Wohnform. 

Das kleine Holzhaus kam erst später dazu und thront im Moment noch sehr sichtbar auf dem Hügel gegenüber. Damit fällt es ein wenig aus dem Rahmen auf dieser Finca, auf der keine Unterkunft ins Auge sticht und groß sein will. Die „Casita“ war für uns als Rückzugsort gedacht in der Zeit in der wir nach dem Tod unserer Eltern fast die gesamte Finca vermietet hatten. Klein, aber mit allem ausgestattet was für einen Urlaub nötig ist. Es ist unser Geheimfavorit, und Paolo hat sogar über ein Jahr darin gewohnt und sich sehr wohl gefühlt. 

Die Finca ist langsam gewachsen, sie verändert sich immer wieder in kleinen Schritten…. sie ist weiterhin ein geliebter Ort der gesamten Familie. Und wir freuen uns, dass wir ihn heute mit unseren Gästen für kurz oder lang teilen können. Die meisten entdecken den Zauber dieses Ortes sehr schnell und verlieben sich. Viele Freundschaften sind entstanden mit all den besondere Menschen, die zu uns kommen und deren Gegenwart wir sehr schätzen. Ihr tragt wesentlich zur Lebendigkeit dieses Ortes bei! Danke Euch, bis bald!